Erfurt: Ole Jannis Gratz kratzt an deutscher U18-Hallen-Bestleistung

U18-Hürdensprinter Ole Jannis Gratz sorgte am vergangenen Samstag beim ersten Teil der Thüringer Hallenmeisterschaften für einen der Höhepunkte. Im Vorlauf über 60 Meter Hürden verbesserte der 15-Jährige den Thüringer Hallenrekord um eine Zehntel auf 7,82 Sekunden und verpasste die deutsche U18-Hallen-Bestleistung nur hauchdünn um zwei Hundertstel. Über 200 Meter waren Felix Wolff und Matthes Liek pfeilschnell unterwegs, sie durchbrachen erstmals die 22-Sekunden-Schallmauer. Im Dreisprung begeisterte Marlene Otto mit einer schönen neuen Bestmarke.

Der erste Teil der Thüringer Hallenmeisterschaften brachte bereits einige Topresultate hervor. Für einen glänzenden Auftakt sorgte die Geher bzw. die Jugend, die von Landestrainerin Julia Henze betreut wird. Bei den Frauen siegte Ada Junghannß (Erfurter LAC) in neuer Bestzeit von 13:32,60 Minuten. Mit dem Auftritt ihrer Schützlinge zeigte sich Julia Henze zufrieden. „Der erste Wettkampf ist immer spannend, wie die Leistung dann wirklich auf die Bahn gebracht wird. Es war ein guter Einstieg. Es geht in die Richtung, die wir uns im Training erhofft haben. Wir hatten eine gute Vorbereitung, in der fast alle gesund geblieben sind.“ Für die Jüngeren sowie die U18- und U20-Talente ging es außerdem um einen Startplatz für die Mitteldeutschen Hallenmeisterschaften in Halle/Saale (31. Januar) und die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften im Bahngehen in Halle/Saale (14./15. Februar).

Im 3.000 Meter Bahngehen der Jugend U20 verbesserten Nika Helene Illing (LSV 1971 Ilmenau) und Maria-Lena Carniel (ASV Erfurt) ihre Bestzeiten auf 14:06,59 und 14:17,73 Minuten. Trotz der Strafbox und kleineren technischen Problemen blieb Matti Schmidt (Erfurter LAC) im 5.000 Meter Bahngehen der Jugend U20 deutlich unter der DM-Norm, er gewann die Konkurrenz in 23:55,22 Minuten. An der Spitze drehte Helena Manzke (Erfurter LAC) über 3.000 Meter fast einsam ihre Runden. Nach ihrem Auftakt in der Vorwoche über 800 Meter mit neuer Bestzeit folgte nun die nächste in 9:53,23 Minuten, womit sie erstmals unter zehn Minuten blieb.

Felix Wolff bleibt erstmals unter 22 Sekunden

Einige U20-Talente starteten derweil eine Klasse höher – und bestimmten das Niveau bei den Männern und Frauen. Einer davon Felix Wolff (LC Jena). Er trommelte über 200 Meter eine absolute Spitzenzeit von 21,93 Sekunden auf die Bahn. Beiläufig sei erwähnt, es war erst sein zweites Rennen über 200 Meter. „Das Training war jetzt über die ganzen Wochen gut für 200 Meter ausgelegt. Ich habe schon ein wenig damit geliebäugelt, dass es eine sehr schnellen Zeit werden könnte, aber nicht wirklich mit solch einer starken Zeit gerechnet“, sagte Felix Wolff, der zudem noch die 60 Meter in 7,07 Sekunden gewann. In seinem ersten U20-Jahr befindet sich Andor Rik Schumann (LC Top Team Thüringen). Der zum „Jugend-Leichtathlet des Jahres 2025“ gewählte Athlet startete über 400 Meter mit Bestzeit von 48,39 Sekunden in das neue Jahr. Max Arnold (LC Jena) steigerte seine Zeit über 60 Meter Hürden auf 8,38 Sekunden.

Den Sprinttitel bei den Frauen sicherte sich Vereinskollegin Emma Charlott Münnich in 7,89 Sekunden. Eine Hundertstel schneller war sie zuvor im Vorlauf unterwegs. Schnellste über die Hallenrunde war Emily Seidel (LC Jena) in 25,45 Sekunden. Helena Guttke (LC Top Team Thüringen) gewann die 400 Meter in neuer Bestzeit von 56,23 Sekunden. Mit der 4-Kilo-Kugel stieß sich Helena Naussed (LC Jena) mit neuer Bestmarke von 12,16 Metern an die Spitze.

Ole Jannis Gratz neuer Rekordhalter, Matthes Liek begeistert über 60 und 200 Meter

Für das absolute Top-Resultat an diesem Wettkampftag sorgte Ole Jannis Gratz (Erfurter LAC). Im Vorlauf über 60 Meter Hürden der Jugend U18 rieben sich alle nach dem Zieleinlauf verwundert die Augen. Da standen tatsächlich 7,82 Sekunden auf der Anzeigetafel. Damit war der 15-Jährige eine Zehntel schneller als Alexander John vor knapp 23 Jahren – und ist der neue Thüringer Hallenrekordhalter. „Das war vom Ergebnis fast nicht zu glauben“, sagte Ole Jannis Gratz.

Einen großen Anteil an dieser Spitzenzeit hatte die starke Konkurrenz. „Wenn du weißt, da sitzen einem die anderen Jungs im Nacken, dann musst du einfach mehr geben.“ Zu dieser Konkurrenz gehörte Tim Wehner (LC Jena), der sich im Vorlauf auf 7,98 Sekunden steigern konnte. Im Finale konnte Ole Jannis Gratz seine Bestzeit aus dem Vorlauf mit 7,88 Sekunden fast nochmal bestätigen. Dem nicht genug folgte über 60 Meter der zweite Start. Trotz der Vorbelastung gab es dort die nächsten Bestzeiten. Im Endlauf überzeugte Ole Jannis Gratz mit 7,05 Sekunden als Zweiter, Dritter wurde ebenfalls in neuer Bestzeit von 7,06 Sekunden Tim Wehner. Und ganz vorn begeisterte Matthes Liek (Erfurter LAC) in 6,88 Sekunden.

Doch damit nicht genug folgte über 200 Meter die nächste Spitzenzeit für Matthes Liek: 21,86 Sekunden! Mit dieser Leistung durchbrach der Schützling von Trainer Tobias Schneider erstmals die 22-Sekunden-Schallmauer. „Das war schon ein kleiner Befreiungsschlag. Ich habe tatsächlich versucht, hinten raus schneller zu werden, größer zu bleiben und die Schrittlänge zu halten. Das hat anscheinend richtig gut geklappt“, sagte Matthes Liek, der am kommenden Wochenende beim zweiten Teil der Thüringer Hallenmeisterschaften mit der 4x200-Meter-Staffel das Ticket für die Deutschen Jugend-Hallenmeisterschaften in Sindelfingen (20. bis 22. Februar) buchen möchte. Im Hochsprung meisterte Tim Nega (SSV Schiller-Gymnasium Eisenberg) im dritten Versuch 1,90 Meter. Im Dreisprung steigerte Luca Lion Gloger (WSSV Suhl 1990) seine Bestmarke im sechsten und letzten Versuch auf 12,48 Meter. Eine weitere neue Bestleistung gab es im Kugelstoßen durch Louis Wimmer (LC Jena; 13,53 m).

Wimpernschlagfinale über 60 Meter

In der weiblichen Jugend U18 gab es über 60 Meter ein Wimpernschlagfinale zwischen Finja Hoffmann (LC Jena) und Maxima Gioia Minchella (LC Jena). Nur eine Hundertstel trennte Titel und Platz zwei. Die Schnellste war Finja Hoffmann in neuer Bestzeit von 7,92 Sekunden vor ihrer jüngeren Vereinskollegin (W15) in 7,93 Sekunden. Luise Schüffler (Erfurter LAC) siegte über 200 Meter in 25,28 Sekunden vor Langsprinterin Victoria Keksel (Erfurter LAC; 25,74 sec). Letztere lief zuvor erstmals die 400 Meter in 57,81 Sekunden. Ganz zufrieden wirkte sie damit aber nicht. „Ich hatte eine schnellere Zeit im Kopf. Aber man muss sich erstmal an die 400 Meter gewöhnen und Erfahrungen sammeln“, sagte die 15-Jährige.

15 Runden in der Halle sind schon ein ordentliches Pensum. Dieser Herausforderung stellte sich Lucie Schmied (SV Empor Bad Langensalza), die größtenteils auf sich allein gestellt war. Dennoch spulte sie Runde um Runde in einem guten Rhythmus ab und belohnte sich in 10:16,67 Minuten mit einer neuen Bestzeit, mit der sie zugleich das Ticket für die Jugend-Hallen-DM löste. Im Dreisprung sorgte Marlene Otto (LC Jena) für eine Spitzenweite von 12,23 Meter. Erstmals überhaupt knackte sie die 12-Meter-Marke und durfte sich über eine tolle neue Bestmarke freuen. Im Kugelstoßen war für Jolina Querfeld (LG Ohra Energie) der erste Versuch mit 11,81 Metern auch der weiteste, der sie zum Titelgewinn führte.

Winterwurf: Vor der Halle im Stadion gingen die Winterwerfer mit Diskus, Hammer und Speer auf Weitenjagd. Dort konnten ebenfalls einige neue Bestmarken notiert werden. Wie durch Magdalena Vogel (ASV Erfurt) in der Jugend W15, sie dominierte die Diskus-Konkurrenz und setzte sich mit 37,14 Metern durch. Mit dem 3-Kilo-Hammer war Hannah Werner (Gothaer LAC) erfolgreich, sie gewann den Titel mit 41,69 Metern. Im sechsten und letzten Versuch steigerte sich Nina Alexandra Tetzel (LG Erfurt) im Speerwurf auf 34,96 Meter. In der Jugend M14 siegte Elisar Najjar (SV Sömmerda) mit dem Diskus und 31,29 Metern.

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