Gotha: Thüringer begeistern vor heimischer Kulisse

Am zweiten Tag der Deutschen Meisterschaften der Masters in Gotha übergoss sich ein Medaillenregen über die Thüringer Athleten. Für einen goldenen Auftakt hatte Kugelstoßerin Carmen Hildebrandt gesorgt. Kugelstoßer Andy Dittmar begeisterte mit einer Topleistung auf seiner Heimanlage. Im Hammerwurf kam Anja Schüppel immer besser in Fahrt, Rudolf König war über 100 Meter der Schnellste, Michael Stephan mit Meister-Sprung, Christa Bensch holte Silber mit dem Speer und Iris Opitz zauberte aus der „Wundertüte“ 400 Meter die Bronzemedaille.

Wolkig, nass, kühl, windig und sonnig: Der zweite Tag bei den Deutschen Meisterschaften der Masters in Gotha brachte sehr wechselhaftes Wetter. Für aufhellende Momente sorgten die Athletinnen und Athleten. Zunächst Carmen Hildebrandt (Eisenacher LV) im Kugelstoßring. Bei ihr sorgte nicht das Wetter, sondern der Familien-Fanclub für feuchte Augen. Mit dieser Emotionalität startete sie in den Wettkampf und beförderte die Kugel gleich im ersten Versuch auf 11,68 Meter. „Der war schon schön. Wenn ich da optimal gestanden hätte, wäre sicherlich die 12 vor dem Komma gestanden. Mir ist es aber so lieber, der Erste passt und der Druck ist raus“, sagte sie nach ihrem Wettkampf.

Beim Einstoßen lief es sogar noch ein wenig besser, der dritte landete sogar über 12 Meter. „Ich war schon locker, aber ich war sehr angefasst, weil mich so viele aus der Familie unterstützt haben. Da spürt man natürlich auch Druck, weil man möchte sich nicht blamieren“, sagte Carmen Hildebrandt, die in den letzten beiden Versuchen die Kühle spürte. „Ich war eisig kalt, da habe ich nur gefroren.“ Eine Steigerung blieb aus. Nichts desto trotz reichte die starke Weite aus dem ersten Versuch zur erfolgreichen Titelverteidigung.

Nach schwierigem Start dreht Anja Schüppel auf

Nur schwer fand Anja Schüppel (ASV Erfurt) in die W35-Konkurrenz im Hammerwurf. Nach dem ersten ungültigen Versuch folgte in Durchgang zwei ein Wurf auf 39,54 Meter. „Dadurch, dass ich nicht die Schnellste auf den Beinen bin, war das schon recht schwierig, weil der Ring recht stumpf war. Trotz der Nässe war es noch recht stumpf. Da musste man erstmal reinkommen. Noch dazu hatten wir nur einen Einwerfer entgegen der Vorgaben, weil ein wenig Zeitplanverzug war“, erklärte sie ihren Einstieg. Die Heim-DM nutzten Familie und Freunde, um sie zu unterstützen. Im weiteren Verlauf wusste sie sich gut zu steigern, und verbesserte ihre Saisonbestweite im fünften Durchgang auf 46,62 Meter. Diese Weite brachte ihr den Meistertitel.

„Ich bin mehr als zufrieden. Die Saison verlief sehr sehr schleppend. Im Winter war ich zwei, drei Monate krank und war erst kurz vor den Deutschen Winterwurf-Meisterschaften wieder ins Training eingestiegen“, zeigte sie sich zufrieden mit dem Wettkampf. Umso wertvoller schätzte sie nun ihre DM-Leistung ein: „Mit der Weite nur einen halben Meter unter meiner Senioren-Bestleistung bin ich vollkommen zufrieden. Ich habe nicht annähernd damit gerechnet 45+ zu werfen. Auch weil das Training unter der Woche eher durchwachsen lief.“ Auf Hammer folgte Diskus, wo sie sich keine größeren Chancen im Vorfeld ausgerechnet hatte. Sie wurde mit 32,04 Metern Fünfte.

Stadionrunde: Iris Opitz zufrieden, Marion Stedefeld mit emotionaler Rückkehr

In der W55 gehört Iris Opitz (LAV Elstertal Bad Köstritz) zu einer der ältesten Starterinnen. In ihrem ersten W55-Jahr befindet sich Tatjana Schilling (TSV 1850/09 Korbach). Diese Kombination versprach am zweiten DM-Tag reichlich Spannung. Über 100 Meter gelang der „Jüngeren“ der Sieg in 13,31 Sekunden. Iris Opitz hielt stark dagegen und kam in 13,55 Sekunden als Zweite ins Ziel. Die 400 Meter sind bei ihr eher eine große Wundertüte, denn die Strecke steht nur selten auf ihrem Trainingsplan. Dennoch schlug sich Iris Opitz mehr als achtbar und durfte sich in 67,62 Sekunden über Bronze freuen. „Ich bin zufrieden“, lautete ihr knappes Fazit.

Nach mehrmonatiger Verletzungspause meldete sich Marion Stedefeld (SV Concordia Großengottern) in 70,75 Sekunden als Fünfte eindrucksvoll zurück. Nach den letzten Wochen war dies eine sehr emotionale Rückkehr auf die Bahn. Geteilte Freude ist bekanntlich die schönste Freude: Mit ihrer Vereinskollegin Anke Seise freute sich über deren neue Bestleistung von 75,35 Sekunden. „Auf der Gegengerade war so viel Gegenwind. Ich dachte, ich laufe gegen eine Wand“, sagte Franziska Brünner (LC Jena) nach ihrem Start über 400 Meter in der W45. Umso enttäuschter fiel ihre Zeit im Ziel mit 64,22 Sekunden aus. „Das ist für mich eine Trainingszeit.“

Eine weitere Silbermedaille gab es für Christa Bensch (SV Blau-Weiß Auma) im Speerwurf. Im fünften Versuch segelte ihr Arbeitsgerät in der W85 am weitesten und mit 14,54 Metern zu Silber.

Rudolf König im Sprint-Dreikampf der Schnellste, Andy Dittmar genießt Heim-DM

Im Kugelstoßen der M50 verfehlte Lokalmatador Andy Dittmar (BiG Gotha) mit 18,57 Metern seinen geteilten Weltrekord nur hauchdünn um sechs Zentimeter. Die Rekordmarke von 18,63 Metern hatte er erst im Vorjahr in Ohrdruf gestoßen. Trotz verpasstem Weltrekord keine Spur von Enttäuschung bei Deutschlands "Masters-Leichtathlet des Jahres" 2024: „Die Weite war sehr, sehr schön. Für mich völlig in Ordnung. Natürlich liebäugelst du mit den sieben Zentimetern mehr, aber für mich war es ein Genuss. Das war wie Schlossmeeting light mit unseren Leuten hier, mit der Stimmung und der Heimatanlage. Das ist genau das Thema, wo du sagt, deshalb mache ich das. Das ist geil.“

Mit Saisonbestleistung zum Titel über 100 Meter in der M70: Nach seiner Silbermedaille am Vortag im Kugelstoßen sprintete Rudolf König (Saalfelder LV) nun in Saisonbestzeit von 13,22 Sekunden zum deutschen Meistertitel – und das gegen schnelle Konkurrenz wie Reinhard Michelchen (VfL Sindelfingen; 13,30 sec) und Kurt Fischer (Unterländer LG; 13,48 sec), die er ebenfalls zu den Konkurrenten über 200 Meter zählt. Ebenso wie Karl Dorschner (TV 1848 Coburg). „Der Sieg war keine Überraschung. Dass es über 100 Meter knapp werden kann, das wusste ich. Mein Lauf war sehr rund. Ich hatte einen guten Start und habe dann schön sauber durchgezogen“, resümierte der Allrounder. Bei wärmeren Bedingungen „kann man schon an einer 12er-Zeit kratzen. Das ist dann absolut deutsche Spitze.“ Seinen Start über 400 Meter ließ er aus, schonte sich stattdessen für den Abschlusstag mit 200 Metern, wo er ebenfalls zu den Titelkandidaten zählt, und dem Speerwurf.

In der M35 hatte Marcus Brieger (SV Lerchenberg Altenburg) am Freitag bereits für eine Thüringer Medaille im Speerwurf gesorgt. Mit dem Diskus erreichte er mit 37,10 Metern den vierten Platz. Martin Hohmann (Erfurter LAC) und Karsten Klose (KSSV Victoria Weimar/Schöndorf) gehörten zu den Startern der M40 über 100 Meter. Mit zwei neuen Saisonbestzeiten verließen sie als Neunter (Martin; 12,10 sec) und 13. (Karsten; 12,70 sec) diese Konkurrenz. Stefan Zimmermann (LG Ohra Energie) startete über 400 Meter und wurde in 60,93 Sekunden Elfter. Einen vierten Platz mit dem Diskus erwarf sich Stephan Vogel (LAV Elstertal Bad Köstritz) mit 35,91 Metern.

Michael Stephan mit Goldsprung über 1,72 Meter

Im Hochsprung der M45 trumpfte Michael Stephan (Erfurter LAC) groß auf. Er stieg bei 1,66 Metern ein, meisterte die Höhe problemlos und sollte erst bei 1,72 Meter einen weiteren Versuch brauchen. Diese gemeisterte Höhe reichte für den Titel. Auf weitere Höhen verzichtete er. Michael Krauße (Saalfelder LV) kam über 400 Meter in 59,99 Sekunden als Siebter ins Ziel. Sandro Kubitza (LSV 1971 Ilmenau) hatte zuvor die Norm im Weitsprung überboten und schlug sich recht achtbar. Er wurde mit 5,38 Metern Vierter.

Im Stabhochsprung der M60 startete ein Mühlhäuser Duo: Sven Goos wurde mit 2,70 Metern Achter, Thomas Levi erreichte mit 2,50 Metern den zehnten Platz. Einen starke dritten Platz im Dreisprung der M65 errang Uwe Türk-Noack (Apoldaer LV 90) mit 10,25 Meter. Im Hochsprung der M50 verpasste Marcel Trappe (SV Sömmerda) als Vierter mit 1,54 Metern den Sprung auf das Podest. 1,21 Meter und Rang sechs standen für Heribert Krebs (TSV Zella-Mehlis) in der M75 im Hochsprung im Protokoll. Über 100 Meter in der M85 belegte Peter Kleinfeld (LAC Rudolstadt) in 19,70 Sekunden den vierten Platz.

Ergebnisse

Freitag MDR Thüringen Journal Rudolf König: Masters in Gotha: Der Allrounder aus Saalfeld | MDR.DE